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Fibromyalgie ©

Teil 1 - Grundlagen und Diagnostik 

„Fibromyalgie ist eine Modekrankheit, eigentlich gibt es sie gar nicht.“
„PatientInnen mit Fibromyalgie bilden sich ihre Beschwerden nur ein.“
„Fibromyalgie ist rein eine psychische Krankheit und gehört auch so therapiert – mit Psychotherapie oder sogar mit Psychopharmaka.“
 

Auf diese und ähnliche Vorurteile stoßen Patienten (obwohl mehr Frauen als Männer betroffen sind, erlaube ich mir den neutralen Begriff „Patienten“) immer wieder. Um es vorweg zu nehmen: alle diese Aussagen halte ich für falsch, sie enthalten aber auch ein Körnchen Wahrheit.

Bei der Fibromyalgie handelt es sich um eine chronische Schmerzerkrankung. Das Wort Fibromyalgie kommt vom lateinischen fibra = Faser, vom griechischem myos = Muskel und vom griechischen algos = Schmerz. Fibromyalgie bedeutet also, dass der Patient Schmerzen in den Muskel- und Bindegewebsfasern (z.B. Muskelansätzen und Sehnen) hat.

Fibromyalgie - Häufigkeit und Geschichte

Ca. 0,5 bis 4 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, davon zu etwa 90 Prozent Frauen. Die Erkrankung beginnt meist gegen Ende 20 und ist mit etwa Mitte 30 voll entwickelt. Einen Häufigkeitshöhepunkt gibt es im und nach den Wechseljahren. Selten sind auch Kinder und Jugendliche von Fibromyalgie betroffen, bei alten Menschen kann sie fälschlicherweise mit „Altersbeschwerden“ verwechselt werden.

Entgegen anders lautender Äußerungen handelt es sich nicht um eine neue Modekrankheit, sondern wurde als Krankheitsbild bereits 1904 beschrieben. Aber erst seit der erneuten Beschreibung 1990 in den USA hat die Fibromyalgie in der Beachtung in der Medizin und mehr noch in den Medien an Bedeutung gewonnen. Für einige Menschen ist es durchaus „attraktiv“, ihre Beschwerden mit einer modernen Krankheit zu benennen – Fibromyalgie klingt schließlich besser als etwa „klimakterische Depression“. Es sollte daher eine exakte Differentialdiagnose erfolgen, um die Patienten nicht in die falsche „Schublade“ zu tun – mit der Konsequenz von frustranen Behandlungsversuchen. Dem Depressiven tut man keinen Gefallen, wenn man ihn fälschlicherweise auf Fibromyalgie behandelt, und der Patient mit Fibromyalgie wird kaum Behandlungserfolge genießen, wenn man jahrelang psychoanalytisch seine vermeintliche Neurose heilen möchte.

Fibromyalgie - Symptome der Fibromyalgie äußerst vielfältig

Die Fibromyalgie ist – zumindest was das „Erfolgsorgan“, nicht jedoch die Ursachen angeht – eine Erkrankung des Bewegungsapparates. Es handelt sich um eine typische Schmerzkrankheit

Tab. Symptome am Bewegungsapparat, die oft bei Fibromyalgie bestehen

      n       Schmerzen am „ganzen Körper“
n       Besonders an Muskeln und bestimmten Muskelansätzen
n       Bei jeglicher, manchmal schon minimaler Belastung verstärkt
n       Bei emotionalen Belastungen verstärkt
n       Bei geistigen Belastungen verstärkt
n       Unnatürlich lange Erholungszeiten nach Belastung.

Die Fibromyalgie wird auch den so genannten funktionellen Krankheiten zugeordnet. Von einer funktionellen Störung sprechen wir dann, wenn keine organisch fassbare Ursache den Beschwerden zugrunde liegt. Beispiele: wenn Sie Harndrang und Brennen beim Wasserlassen haben, denken wir natürlich an einen Harnwegsinfekt. Lassen sich aber auch bei wiederholten Untersuchungen keine Bakterien im Urin nachweisen, so wird die Diagnose „Reizblase“ gestellt. Wenn jemand Herzbeschwerden wie bei einer Verengung der Herzkranzgefäße hat (z.B. Herzenge bei Belastung oder Aufregung), die kardiologischen Untersuchungen wie Belastungs-EKG oder sogar Herzkatheter aber keinen pathologischen Befund ergeben, dann muss an „funktionelle Herzbeschwerden“ gedacht werden.

Die Beschwerden können langsam und nach und nach einsetzen und immer stärker werden. Es sind aber auch schubartige Verläufe mit dazwischen liegenden symptomarmen oder sogar –freien Intervallen beschrieben worden. Die „Schübe“ gehen nicht selten mit grippeartigen Beschwerden (z.B. leicht erhöhte Temperatur, starke Gliederschmerzen, Kopfschmerzen) einher. Bis das „Vollbild“ einer Fibromyalgie auftritt, kann es unter Umständen mehrere Jahre dauern.

Tab. Symptome außerhalb der Muskeln, die oft bei Fibromyalgie bestehen

      n       Schlafstörungen
n       Erschöpfung
n      
Kopfschmerzen
n      
Rückenschmerzen
n      
Angststörung
n      
Depression
n       Reizblase
n       Reizmagen
n      
Reizdarm
n       Menstruationsbeschwerden
n      
Funktionelle Herzbeschwerden
n      
Herzrhythmusstörungen
n       Infektanfälligkeit
n       Leicht erhöhte Körpertemperatur
n       Nervöser Drang zur vermehrten Bewegung der Extremitäten („restless legs“)
n       Muskelkrämpfe, -zittern
n       Vermindertes sexuelles Interesse,
Impotenz
n       Schluckbeschwerden, Kloßgefühl im Hals
n      
Tinnitus
n       Hyperhidrosis (vermehrtes Schwitzen)
n       Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit
n       Wortfindungs- oder Gedächtnisstörungen

Organische Krankheiten (also Bakterien im Urin oder eine Verengung der Herzkrankheit) sind „richtige“ Krankheiten. Funktionelle Krankheiten sind psychisch, eingebildet, neurotisch, hypochondrisch oder der Patient simuliert sogar. Oder? In der Regel leiden Patienten mit funktionellen Beschwerden genauso unter ihrer Erkrankung wie Patienten mit organischen Krankheiten und sie bilden sie sich auch nicht ein oder simulieren sogar (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das Problem bei funktionellen Störungen ist, dass die Beschwerden subjektiv sind, sie sind also nicht objektiv beweisbar. Die Ursachen sind nicht einfacher (Bakterien im Urin g Harnwegsinfekt, Arteriosklerose der Herzkranzgefäße g Koronare Herzkrankheit mit Herzenge), sondern meistens komplexer Natur.

Fibromyalgie - Diagnose oft schwierig und meist viel zu spät

Die Diagnose einer Fibromyalgie ist nicht ganz einfach. Es dauert durchschnittlich acht bis zehn Jahre, bis die Diagnose „Fibromyalgie“ endlich gestellt wird. Dann liegt meistens schon das „Vollbild“ vor und ist entsprechend schwerer zu behandeln. Heute anerkannte Diagnosekriterien sind:

  • Spontane Schmerzen in der Muskulatur, im Verlauf von Sehnen und Sehnenansätzen, die über mindestens drei Monate an drei verschiedenen Regionen vorhanden sind.
  • Druckschmerzhaftigkeit an mindestens 11 von 18 "tender points" – besonderen Muskelpunkten, die der erfahrene Arzt untersuchen sollte
  • begleitende vegetative und funktionelle Symptome – siehe Tab. „Symptome außerhalb der Muskeln, die oft bei Fibromyalgie bestehen“.
Die 18 "tender-points" - Muskelpunkte an denen Druckschmerz entstehen kann

 

Fibromyalgie - Differentialdiagnose – nicht immer ganz einfach

Da es sich bei der Diagnose „Fibromyalgie“ um eine Ausschlussdiagnose handelt, sollten vor der Diagnosestellung einige andere definierte Erkrankungen sicher ausgeschlossen werden:

  • Rheumatische Erkrankungen (sollte mit den Entzündungswerten im Blut und der Ansprechbarkeit auf Entzündungshemmer eigentlich nicht so schwer sein)
  • Vitamin B12-Mangel kann manchmal zu ähnlichen Beschwerden führen, die neurologischen Schäden des Mangels treten meistens vor der Blutarmut auf
  • Polyneuropathie, eine neurologische Erkrankung
  • Borreliose, eine Infektionskrankheit, die sich manchmal nur sehr schwierig von der Fibromyalgie differenzieren lässt
  • Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunkrankheit der Schilddrüse
  • Multiple Sklerose, eine Autoimmunkrankheit des Nervensystems
  • Epstein-Barr-Virus-Infektionen, eine Infektionskrankheit, nach der häufig eine starke Erschöpfung und andere Symptome, die auch bei der Fibromyalgie auftreten können, über lange Zeit erhalten bleiben
  • Tendopathien, degenerative Erkrankungen der Sehnen oder Sehnenansätze, meist in Folge von Über- oder Fehlbelastungen
  • Übertraining durch zu intensive oder zu lange sportliche Betätigung, z. B. bei Leistungssportlern, aber auch ambitionierten Hobbysportlern
  • Depressionen und andere psychische Erkrankungen, die moderat abgeklärt werden sollten, ohne den Patienten gleich in die „Psychokiste“ stecken zu wollen.

Fatal ist, dass aufgrund der fehlenden „objektiven“ Kriterien (z.B. sind Laborwerte, Röntgenbefunde und weitere diagnostische Parameter meist völlig normal – und wenn nicht, dann haben sie nichts mit der Fibromyalgie zu tun) die Patienten trotz starker subjektiver Beeinträchtigung lange Zeit nicht als solche erkannt und damit auch „anerkannt“ werden. Auf der anderen Seite können sich Simulanten, Hypochonder sowie Patienten mit Neurosen, maskierten Depressionen und anderen psychischen Störungen leicht hinter der Fibromyalgie „verstecken“. Unter einer Fibromyalgie zu leiden ist für viele Patienten immer noch leichter zu verkraften als mit einer psychischen Diagnose „gebrandmarkt“ zu sein.

Ursachen der Fibromyalgie

Hier könnten wir es eigentlich kurz machen. Die internationale wissenschaftliche Fachliteratur umschreibt die Ursachen mit zwei Worten: nicht bekannt. Zwar werden genetische Ursachen oder Infektionen mit bestimmten Keimen diskutiert, auch sind Zusammenhänge zum CFS = Chronisches Fatigue (Erschöpfungs-) Syndrom beschrieben. Letztlich tappen die Forscher aber noch im Dunkeln.

Sie ist ganz sicher keine entzündliche Gelenk- oder Muskelerkrankung, da weder Entzündungswerte erhöht sind, noch Entzündungshemmer wie NSAR (Nicht-Steroidale Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen) oder Kortison die Beschwerden signifikant beeinflussen. Daher sollte die früher übliche Umschreibung der Fibromyalgie mit „Weichteilrheumatismus“ endgültig ad acta gelegt werden. Bei Rheumatologen sind Patienten mit Fibromyalgie auch nur dann gut aufgehoben, wenn diese in der Diagnostik und Behandlung der Fibromyalgie besonders erfahren sind.

Bei der Fibromyalgie, die quasi eine funktionelle Störung der Muskulatur darstellt, werden aber immerhin verschiedene Mechanismen diskutiert, an der Auslösung oder Verstärkung der Beschwerden beteiligt zu sein. Ein Aspekt der Fibromyalgie scheint eine „muskuläre Hypersensibilität“ sein, also eine Überempfindlichkeit der Muskeln. Patienten spannen nicht nur ihre Muskulatur viel mehr und öfter an als gesunde Kontrollpersonen, sie empfinden auch Anspannungen und äußeren Druck sehr viel intensiver und schmerzhafter. Der gleiche Druck von außen, den ein Gesunder noch tolerieren würde, wird von einem Patienten mit Fibromyalgie bereits als schmerzhaft wahrgenommen. Dies trifft für die gesamte Muskulatur, besonders aber die oben erwähnten Triggerpunkte zu.

Die Schmerzen sind´s, die ich zu Hilfe rufe. Denn es sind Freunde, Gutes raten sie.
(Goethe in „Iphigenie“)

Auch eine veränderte Schmerzwahrnehmung scheint an der Entstehung und Ausprägung der Fibromyalgie beteiligt zu sein. Patienten mit einer Fibromyalgie sind viel sensibler – oft im psychischen, aber auch im Bereich der Schmerzempfindung. Jeglicher Schmerzreiz wird stärker wahrgenommen. Schmerzen haben eine sehr wichtige physiologische Funktion. Sie warnen uns vor zukünftigen Schädigungen (die schmerzhafte Berührung einer heißen Herdplatte führt zu einem sofortigen Zurückziehen der Hand und schützt uns so vor einer Verbrennung) oder weist uns auf bereits eingetretene und behandlungspflichtige Beschwerden hin (z.B. der schmerzhafte Unterbauch bei einer Blinddarmentzündung). Bei Schmerzstörungen wie etwa der Fibromyalgie hat der der Schmerz seine prinzipiell sinnvolle Funktion weitgehend verloren und einen eigenen Krankheitswert gewonnen. In einem erweiterten Krankheitssinne kann man aber durchaus spekulieren, dass der Schmerz durch Fibromyalgie auch einen Signalcharakter für tiefer liegende Störungen hat und „uns etwas sagen will“.

Kommt ein Schmerz, so halte still, und frag ihn, was er von dir will!
(Emanuel Geibel)

Eine andere Hypothese geht von einer Störung des vegetativen Nervensystems aus. Das vegetative Nervensystem steuert u.a. unbewusste Funktionen wie Schwitzen, Mundtrockenheit, Schnelligkeit des Herzschlagens und die Tätigkeit von Darm und Blase. Jeder, der unter einer Spannung steht – sei sie von außen bedingt (Zeitdruck, Stress mit dem Arbeitgeber, Kunden, Partner etc.) oder innerlich erzeugt (sich selbst mehr unter Druck setzen, als eigentlich nötig, unangenehme Vorstellungen, Perfektionismus etc.) -, spannt unbewusst mehr oder weniger stark seine Muskulatur oder zumindest Teile davon an. Viele Beschwerden des Bewegungsapparates (z.B. das so genannte Hals-Wirbelsäulen-Syndrom) sind u.a. auf unbewusste Anspannungen der Muskulatur (bei HWS-Syndrom der Schulter- und Nackenmuskeln) zurückzuführen. Während nach Beendigung des „Stressors“ die Muskulatur aber wieder zur Entspannung kommt, gelingt dies bei der Fibromyalgie nur ungenügend oder gar nicht. Die Muskeln bleiben in einer Daueranspannung.

Fibromyalgie - Teufelskreis Muskelspannung

Was bedeutet diese Daueranspannung für den Muskel? Physiologische Untersuchungen haben ergeben, dass die Durchblutung eines Muskels bereits eingeschränkt wird, wenn dieser Muskel mit mehr als 15 % seiner Maximalkraft angespannt wird. Bei einer Anspannung von „nur“ 50 % seiner Maximalkraft sinkt die Durchblutung des Muskels auf Null! Dieser Muskel wird nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, Stoffwechselendprodukte werden nicht mehr abtransportiert! Bei einer leichten unbewussten Anspannung von nur 20 bis 30 % sind Ver- und Entsorgung des Muskels bereits massiv eingeschränkt. Wenn es zu einer Sauerstoffnot des Muskels kommt, resultiert daraus eine lokale Übersäuerung. Dies führt zur Freisetzung von Schmerzmediatoren, die aufgrund der eingeschränkten Durchblutung nur unzureichend abtransportiert werden können. Die in der Folge eintretenden Schmerzen führen zu einer vermehrten Anspannung der Muskulatur und der Teufelskreis schließt sich. Alles, was diesen Teufelskreis durchbricht, ist bei einer Fibromyalgie also hilfreich!

„Glückshormon Serotonin“ auch bei der Fibromyalgie beteiligt

Untersuchungen haben ergeben, dass bei Patienten mit Fibromyalgie häufig der Serotonininhaushalt gestört ist. Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter, ein Nervenbotenstoff. Die Wirkung vieler Psychopharmaka (z.B. der meisten Antidepressiva) beruht auf einer Erhöhung der Serotoninspiegel in den Synapsen, den Verbindungsstellen der einzelnen Nerven. Darum wirken diese Psychopharmaka auch oft bei der Fibromyalgie – selbst wenn keine „richtige“ Depression vorliegt. Es kann daher gerade bei der Fibromyalgie hilfreich sein, den Serotoninspiegel zu erhöhen – besonders wenn die Trias „Durchschlafstörungen – Heißhunger auf Süßes – Neigung zu Depressionen“ vorliegt.

Psyche und Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist also eine psychosomatische Krankheit im besten Sinne. Der Zusammenhang von Seele und Körper spielt heute bei nahezu allen Erkrankungen eine gewisse Bedeutung. Bei welcher Krankheit gibt es nicht zumindest eine gewisse Wechselwirkung zwischen Psyche und Soma (Körper)? Bei fast allen Störungen kann eine seelische Ursache die körperlichen Beschwerden mit erzeugen oder zumindest verstärken. Und umgekehrt beeinträchtigt jede körperliche Krankheit das seelische Befinden mehr oder weniger stark. Bei Erkrankungen wie Migräne oder Reizdarm sind diese psychosomatischen Zusammenhänge besonders ausgeprägt – und eben auch bei der Fibromyalgie. Dies wird heute auch vom organisch orientierten schulmedizinischen Hardliner so gesehen. Viele Menschen empfinden es aber immer noch zu Unrecht als Makel, wenn man ihnen sagt, es gebe bei ihrer Störung auch psychosomatische Aspekte. „Ich habe doch keinen an der Waffel!“ ist dann manchmal die drastische Reaktion. 

Solche Klassifizierungen helfen jedoch niemandem weiter – am wenigsten dem Betroffenen selbst. Wenn Sie den „organischen“ (mit vielleicht umfassender schulmedizinischer Diagnostik) Weg zu Ende gegangen sind und nicht weiter gekommen sind, spätestens dann sollten Sie eben auch einen anderen Weg in Erwägung ziehen. Wenn Sie dies nicht tun, dann bringen Sie sich vielleicht selbst um die Möglichkeit der Heilung oder Linderung. 

Manchmal sind bei der Fibromyalgie aber nicht die besagten psychosomatischen Zusammenhänge, sondern rein psychische Ursachen die Grundlage der Krankheit. Die Fibromyalgie ist dabei nicht die Krankheit selbst, sondern nur eine Folge, ein Symptom der zugrunde liegenden Haupterkrankung. In der Tabelle sind einige psychische Krankheiten aufgeführt, die manchmal eine Fibromyalgie vortäuschen können. Die Fibromyalgie ist dann die Spitze des Eisbergs, die aus dem Wasser ragt und weithin sichtbar ist. Der Hauptteil des Eisbergs bleibt jedoch unter Wasser und ist nicht sichtbar. Wir brauchen dann das „U-Boot“ einer gezielten psychischen Exploration, um den Eisberg in Gänze erkennen zu erkennen zu können. 

Tab. Psychische Krankheiten als Ursache von Beschwerden, die eine Fibromyalgie vortäuschen können

Diesen Hauptteil des Eisbergs zu betrachten ist jedoch nicht immer ganz leicht, da der Patient mit seinem aus dem Wasser ragenden Eisberg in einem zwar nicht optimalen, aber relativ stabilen Gleichgewicht lebt. Jede Störung dieses Gleichgewichts kann durchaus erst einmal als bedrohlich empfunden und daher abgewehrt werden. Bei einer Neurose, die der Laie immer noch fälschlicherweise mit einer eingebildeten Krankheit verwechselt, dient die Symptomatik und die Beschäftigung damit dazu, tiefer gehende Konflikte abzuwehren. Diese herauszufinden und zu bearbeiten, kann ein mitunter schmerzhafter, aber langfristig nicht selten erfolgreicher Prozess sein. 

Eine Depression drückt sich nicht immer nur in Schwermut, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit aus. Sie kann auch einmal „maskiert“ auftreten. Dabei projiziert der Patient seine Beschwerden auf ein bestimmtes Organsystem, in diesem Fall eben die Muskulatur. Auch dies entlastet den Kranken erst einmal vordergründig, erschwert aber langfristig die Diagnostik und die Therapie ungemein. Viele Patienten mit Fibromyalgie profitieren andererseits deutlich von einer antidepressiven Therapie, sei sie psychotherapeutisch oder medikamentös. Leider wird diese oft zunächst abgewiesen. 

Soweit zu den Grundlagen der Fibromyalgie. Welche Therapiemöglichkeiten es bei der Fibromyalgie gibt – schulmedizinisch und naturheilkundlich – erfahren Sie im 2. und 3. Teil dieses Beitrages unter.
Fibromyalgie (Teil 2 - Therapie)
Fibromyalgie (Teil 3 - ganzheitliche Behandlung der Fibromyalgie)

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de 

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Aktualisiert: Juni 2010

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