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Fibromyalgie - Therapie ©

Teil 2 - wer aufgibt, hat schon verloren

Verpassen Sie nicht Teil 1 mit den Grundlagen und der Diagnostik der Fibromyalgie unter: www.muskel-erkrankungen.de/fibromyalgie/ sowie Teil 3: www.ganzheits-medizin.de/behandlung-der-fibromyalgie (ganzheitliche Behandlung der Fibromyalgie)

Um dies gleich vorwegzunehmen: es gibt nicht das Wundermittel gegen Fibromyalgie, welches bei allen Patienten, immer und zuverlässig wirkt. Die Fibromyalgie ist eine äußerst komplexe Erkrankung, die am besten mit einer sinnvollen Kombination aus innerlich und muskulär entspannenden Maßnahmen ganzheitlich zu behandeln ist. Jede einzelne der unten aufgeführten Verfahren kann bereits eine gute Wirkung entfalten. Tiefgreifende und lang anhaltende Effekte werden Sie am ehesten dann erzielen, wenn Sie eine sinnvolle Kombination mehrerer der unten aufgeführten Tipps beherzigen.

Bei der Auswahl der möglicherweise gerade für Sie passenden Verfahren kann Ihnen ambulant ein naturheilkundlich orientierter Arzt oder Heilpraktiker weiterhelfen. Stationär kommt eine Therapie in einer naturheilkundlichen Abteilung in Frage, die auch psychosomatische Belange berücksichtigt, oder – bei vorrangig psychischen Problemen – der Aufenthalt in einer psychosomatischen Abteilung, für die Naturheilkunde kein Fremdwort darstellen sollte.

Hier nun die einzelnen Verfahren in der Reihenfolge, wie ich Sie nach meiner persönlichen Erfahrung – von der einfachen bis zur komplizierten, von der preiswerten bis zur aufwändigen Behandlung – schrittweise durchführen würde (wobei durchaus einer der weiter unten aufgeführten Tipps gerade für Sie den Durchbruch zu bringen vermag):

Fibromyalgie-Therapie - 1. Magnesium – das Anti-Stress-Mineral

Da ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems meistens mitbeteiligt ist und unser wichtigster Mineralstoff hierfür das Magnesium ist, welches auch noch sehr gut krampflösend wirkt, kann ein Therapieversuch mit Magnesium angezeigt sein. Wenn nicht nur Muskelschmerzen, sondern auch manchmal Muskelkrämpfe auftreten, dann ist Magnesium das Mittel der allerersten Wahl.

Das Magnesium hat eine wichtige Nebenwirkung, die ich Ihnen nicht verschweigen will. Es beschleunigt die Verdauung. Wer also ohnehin von zu dünnen Stühlen neigt oder gar von Durchfällen geplagt ist, kann höchstens 100-200 mg, andere durchaus 300-600 mg einnehmen. Günstige Magnesiumpräparate sind z.B. Cefamag® 300 Tabl., Magnesium Verla® Beutel (122 mg), Magnesium Verla® 300 Beutel, Magnesium Diasporal® Beutel (300 mg). Beginnen Sie zunächst mit einer eher kleinen Dosis und steigern Sie diese alle paar Tage. Die Hauptdosis sollte stets abends eingenommen werden. Wenn der Stuhl etwas weicher wird, dann liegen Sie mit der Dosis genau richtig. Wird er hingegen zu dünn, dann reduzieren Sie das Magnesium auf die letzte Dosisstufe, die gerade noch relativ gut toleriert wurde.                             

Fibromyalgie-Therapie - 2. Bewegung

Es gibt kaum etwas Entspannenderes als Bewegung. Bei einer unbewussten muskulären Anspannung handelt es sich immer um eine statische Anspannung. Nichts wirkt dieser besser entgegen als gezielte dynamische Belastungen – also muskuläre Anspannungen, die von einer sofortigen Entspannung gefolgt werden. Solche dynamischen Belastungen finden wir bei allen Ausdauersportarten. Egal, ob Joggen, Walking oder auch Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, Inlinerskating – alles, was Sie mehr als 20 Minuten am Stück problemlos durchführen können, ist geeignet. Diese Sportarten tragen nicht nur reaktiv zur muskulären Entspannung bei, sie wirken auch noch über eine bessere Durchblutung entsäuernd.

Wichtig ist dabei allerdings, dass Sie aerob trainieren, da bei anaeroben Belastungen Milchsäure entsteht, welche die Beschwerden bei Fibromyalgie weiter verstärken kann. Aerobe Belastung bedeutet, dass der Muskel hauptsächlich Sauerstoff zur Energiegewinnung verbrennt. Bei der anaeroben Belastung kommt es jedoch zu einer Gärung mit Bildung der besagten Milchsäure als Abfallstoff. Sie belasten sich richtig ausdauernd, wenn Sie sich bei 50 bis 75 % Ihrer maximalen Belastung bewegen. Der erfahrene Arzt kann diese optimale Anstrengung mit einem Belastungs-EKG ermitteln. Aber auch die Faustregel „Laufen ohne zu schnaufen“ hilft schon weiter. Wenn Sie sich also bei der Belastung leicht angestrengt fühlen, aber immer noch das eine oder andere Wort mit Ihrem Sportpartner wechseln können, ohne völlig außer Puste zu geraten, dann liegen Sie goldrichtig.

Gerade Patienten mit Fibromyalgie scheuen die körperliche Belastung – entweder weil sie sich die Anstrengung nicht mehr zutrauen oder weil sie schlechte Erfahrungen damit gesammelt haben. Ganz wichtig gerade am Anfang: backen Sie ganz kleine Brötchen! Machen Sie am Anfang lieber zuwenig als zuviel. Dehnen Sie dann Ihre Aktivitäten peu à peu  aus. Steigern Sie zu Beginn eher die Länge als die Intensität der Belastungen. Die Trainer eines Sportvereins oder die Mitarbeiter eines guten Sportstudios können Ihnen weiterhelfen und Trainingsprogramme für Sie aufstellen. In Sportstudios haben Sie außerdem die Möglichkeit, ein gezieltes Muskeltraining der schmerzhaft angespannten Muskeln zu betreiben. Dabei sollte vorrangig im Muskelausdauerbereich (15-20 Wiederholungen pro Übung) als im Kraftbereich gearbeitet werden. Auch hier gilt: am Anfang lieber ganz kleine Belastungen, die dann stufenweise sehr langsam gesteigert werden können. Sportliches Training – egal ob Ausdauersport oder die Arbeit an „Kraftmaschinen“ -  wird nicht nur Ihren Muskel entspannen helfen, es wird Ihnen auch wieder Selbstbewusstsein geben, welches bei der Fibromyalgie nicht selten am Boden liegt. Wenn Sie sich neben der muskulären Problematik auch noch zu erschöpft für jegliche körperliche Anstrengung fühlen, dann kann zusätzlich noch ein Burnout-Syndrom vorliegen, welches dann ebenfalls angegangen werden sollte.

Fibromyalgie-Therapie - 3. Entspannungsverfahren - besonders PMR

Alles, was Sie zu entspannen vermag, ist für die Behandlung der Fibromyalgie mit ihrer erhöhten psychischen und muskulären Anspannung geeignet. Es gibt nicht das beste Entspannungsverfahren. Suchen Sie sich dabei das für Sie individuell passende Entspannungsverfahren aus, welches gerade Ihnen am meisten liegt. Ob es sich dabei um Autogenes Training (mehr für suggestiv beeinflussbare Menschen) oder um Tai Chi/Chigong (mehr für extrovertierte Menschen) handelt, ob Sie Yoga (mehr für bewegliche Menschen) oder ob Sie Meditationen (mehr für introspektive Menschen) bevorzugen – jedes Verfahren ist richtig, wenn Sie damit nur zur Entspannung beitragen.

Besonders gut zur Behandlung muskulärer Anspannung ist das Muskelentspannungstraining nach Jacobson geeignet – synonym Progressive Muskelrelaxation (PMR) oder Progressive Muskelentspannung (PME). Kurz gesagt, geht dieses Verfahren davon aus, dass der angespannte Patient die übermäßige Muskelanspannung gar nicht richtig wahrnimmt und nicht mehr bewusst entspannen kann. Es ist auch wirklich nicht einfach, sich auf einen Muskel zu konzentrieren und diesen dann aktiv zu entspannen. „Nun entspannen Sie Sich doch endlich mal!“ ist ein Befehl dem kaum Folge zu leisten ist, da es uns leichter fällt, etwas aktiv zu machen als etwas zu unterlassen oder gar loszulassen (siehe auch meinen Newsletter vom Februar 2007 "Lassen Sie gehen...). Daher ist es viel einfacher, erst einmal einen Muskel kräftig anzuspannen, um danach loszulassen und eine größere Entspannung als vor der Anspannung zu erzielen. In Kursen (z.B. von Volkshochschulen oder in Reha-Kliniken) kann die PMR meist recht schnell erlernt werden.

Patienten mit Fibromyalgie haben bei der PMR mitunter zu Beginn die Schwierigkeit, dass die geforderte maximale Anspannung des Muskels wegen zu großer Schmerzen gar nicht möglich ist. Dann sollten Sie den Muskel soweit anspannen, wie es der Schmerz eben noch erlaubt.

Fibromyalgie-Therapie - 4. Wärme entspannt

Alle Arten von Wärmeanwendung werden von Patienten mit Fibromyalgie meist als sehr angenehm, weil entspannend und schmerzlindernd empfunden. Dabei kommen Heublumensäcke, Moor- oder Fangopackungen auf die am meisten betroffenen Muskelpartien genauso zur Anwendung wie den ganzen Körper erwärmende Verfahren wie warme Vollbäder (am besten noch mit beruhigenden Zusätzen wie etwa Melisse), Infrarotwärmekabinen oder die Sauna. Auch ¾- oder Ganzkörperwickel nach Prießnitz, die dann lange liegen bleiben, haben sich bewährt, wenn der Patient einen eng anliegenden Wickel ertragen kann. In der Habichtswaldklinik Kassel setzen wir gern die Schielebäder ein. Dabei handelt es sich um ansteigende Fußbäder, die langsam immer wärmer werden und so reflektorisch über die Fußsohlen aber auch über den Wärmetransport durch das Blut dem gesamten Körper Wärme und Energie zuführen. Der Effekt kann noch durch die gleichzeitige Inhalation von reinem Sauerstoff gesteigert werden. Die Erschöpfung, die ja oft mit der Fibromyalgie einhergeht, kann so besonders positiv beeinflusst werden.

Fibromyalgie-Therapie - 5. Wechselreize „härten ab“

Gerade der oft besonders empfindliche Patient mit Fibromyalgie profitiert langfristig gut von einer „Abhärtung“ im Kneippschen Sinne. Bei ihm besteht meist eine starke Empfindlichkeit gegenüber jeglichen Sinneseindrücken, körperlichen Belastungen, Schmerz- und Berührungsreizen und auch gegenüber Temperaturwechseln, besonders gegenüber Kältereizen. Durch die schlechten Erfahrungen mit solchen Reizen vermeidet der Patient mit Fibromyalgie sie immer mehr, was zu einer immer größer werdenden Empfindlichkeit führt. Aus diesem Teufelskreis können Sie nur mit entsprechenden Trainingsreizen wieder herauskommen.

Grundverkehrt wäre es nun aber, in eine Sauna mit 100° C zu gehen, einen Aufguss mitzumachen und dann ins eiskalte Tauchbecken zu springen. Was für einen erfahrenen Saunagänger ein Quell der Freude und Erholung ist, wäre für den mit Fibromyalgie Gepeinigten eine Qual. Der Patient sollte sich vielmehr wieder langsam an Temperaturunterschiede und andere Reize herantasten. Bei der Sauna wäre das etwa die ganz milde Sauna mit 40° C und anschließenden sehr vorsichtigen Abkühlungen. Auch „kleine“ Kneippsche Anwendungen wie etwa das Wassertretbecken wären gut geeignet.

In der Habichtswaldklinik setzen wir gern die so genannte Dauerdusche ein. Dabei liegt der Patient auf einer Matte und wird aus etwa 1,5 bis 2 Meter Höhe mit angenehm warmem Wasser beduscht - aber 40 Minuten oder länger. Nach und nach sollte durch Veränderung der Stellung des Brausekopfes der gesamte Körper erfasst werden, wobei besonders schmerzhafte Bereich besonders lange zu duschen sind. Dort wo der warme Strahl auf die Haut trifft, dehnen sich die Gefäße in Haut und Muskeln aus, der Antransport von Sauerstoff und Nährstoffen wird genauso verbessert wie der Abtransport von Kohlendioxid, Milchsäure und anderen Stoffwechselendprodukten. Darüber hinaus hat die Dauerdusche einen leicht massierenden und Lymphabfluss anregenden Effekt. Da sie durchaus anstrengend ist, sollte der Patient mit Fibromyalgie und gleichzeitig vorliegender Erschöpfung zunächst mit höchstens 20 Minuten Dauer beginnen und dann – je nach Verträglichkeit – die Dauer langsam steigern.

Fibromyalgie-Therapie - 6. Johanniskraut – Balsam für die Seele

Eine Alternative zu schulmedizinischen Medikamenten wie etwa Psychopharmaka wäre beispielsweise die Therapie mit einem Johanniskrautpräparat. Johanniskraut hat in Studien bei Depressionen eine Wirksamkeit gezeigt, die derjenigen von Antidepressiva oder SSRI in nichts nachsteht. Es gibt jedoch einige Unterschiede. Die Nebenwirkungen von Johanniskraut sind viel geringer (bedeutsam ist eigentlich nur eine selten auftretende Lichtempfindlichkeit der Haut – meist bei ohnehin hellhäutigen und lichtempfindlichen Menschen). Der Wirkungseintritt dauert auch länger, manchmal werden erst nach zwei Wochen die ersten Wirkungen verspürt. Wenn Sie nach acht Wochen aber noch gar nichts merken, sollte die Therapie überprüft werden. Bei Johanniskrautpräparaten sollten Sie ein gut dosiertes Präparat wählen (mind. 600, besser 900 mg Extrakt), z.B. Jarsin® 300 3x1, 450 2x1 oder 750 2x1, später evtl. 1x1, Neuroplant® 1x1.

Fibromyalgie-Therapie - 7. Serotonin, das „Glückshormon“

Die Bedeutung des Serotonins als wichtigen Nervenbotenstoff hatte ich bereits im 1. Teil
(www.muskel-erkrankungen.de/fibromyalgie/) angedeutet. Chemische Medikamente wie die klassischen
Antidepressiva, die modernen SSRI und die neuen Serotoninagonisten setzen genau hier an – die konventionelle Medizin hat also die Bedeutung des Serotonins für die meisten psychischen, psychosomatischen und funktionellen Erkrankungen durchaus erkannt – zieht meines Erachtens daraus aber die falschen Schlussfolgerungen. Warum muss ich Serotoninwirkungen mit brachialer, chemischer Gewalt erzwingen, wenn die Bereitstellung von Substanzen, aus denen der Körper selbst soviel Serotonin aufbauen kann, wie er will, aber eben auch nicht mehr, die sanftere, nebenwirkungsärmere und auch noch preisgünstigere Alternative ist?

Die Hauptsymptome des Serotoninmangels sind Depression, Durchschlafstörungen und Heißhunger, besonders auf Kohlenhydrate wie etwa Süßigkeiten. Sollten Sie sich hier wieder finden, dann sollte eine Therapie mit der Serotoninvorstufe 5-HTP erwogen werden (Serotonin selbst kann nicht eingenommen werden). Aus Platzgründen verweise ich auf weitere Informationen auf meiner Internetseite hierzu (www.ganzheits-medizin.de/serotonin/) Wenn die beschriebenen Symptome vorliegen (und sich vielleicht sogar noch ein Serotoninmangel im Blut nachweisen lässt), dann habe ich bei meinen Patienten ausgezeichnete Besserungen der oben genannten Symptome gefunden.

Exkurs

Die Serotoninvorstufe 5-HTP ist in Deutschland leider nicht als Medikament oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und muss daher aus dem Ausland, z.B. den USA besorgt werden, wo es für jedermann in jedem Supermarkt frei erhältlich ist. Manche Menschen bestellen es sich aus dem Internet oder bringen es von Auslandsreisen mit. Juristisch gesehen handelt es sich dabei um einen unerlaubten Arzneimittelimport, der strafbar ist. Außerdem ist bei Bestellungen aus dem Internet kaum gewährleistet, ob man tatsächlich ein Präparat mit den gewünschten Inhaltsstoffen oder Kapseln erhält oder aber Präparate, die im besten Fall wirkstofffreie pharmazeutische Füllsubstanzen, im schlechtesten Fall aber sogar ganz andere Wirkstoffe mit entsprechenden Nebenwirkungen enthalten.

In Deutschland arbeiten einige Ärzte – meist aus dem Bereich der Orthomolekularen Therapie, also der Behandlung mit den „richtigen Substanzen“ als Nahrungsergänzung – mit 5-HTP. Diese können nach entsprechender Indikationsstellung, ggf. ergänzt um bestimmte Laboruntersuchungen, 5-HTP völlig legal über internationale Apotheke auf Rezept verordnen. Die Krankenkassen bezahlen dies zwar nicht, dafür ist es aber immerhin legal.

Warum wird 5-HTP, welches sich für die Behandlung zahlreicher Erkrankungen mit einem Serotoninmangel eignet (z.B. Fibromyalgie, Migräne, Depression), in Deutschland nicht zugelassen? Die Antwort ist ganz einfach: kein Arzneimittelhersteller beantragt die Zulassung. Und warum nicht? Die formalen und finanziellen Hürden vor der Zulassung eines neuen Medikamentes sind immens. Der Hersteller muss daher auch die Möglichkeit haben, dass er die dabei getätigten Investitionen wieder hereinholen kann. Dies ist jedoch bei einer natürlichen Substanz, die er nicht unter Patentschutz stellen kann, praktisch nie der Fall. Hat er die Zulassung für seinen Wirkstoff durchbekommen, können Nachahmer dies mit einem sehr viel geringeren Aufwand ebenfalls tun und das Präparat dann auch günstiger anbieten.

Dies ist bei ganz neuen, künstlich hergestellten und daher patentierbaren Substanzen ganz anders. Hat der Pharmazeut hier die Zulassung erreicht, so steht sein Mittel für mehrere Jahre unter Patentschutz und er kann einen entsprechend hohen Preis verlangen, der seine Investitionen tilgt - und mit etwas Glück auch noch für ein wenig Gewinn reicht.

Durch unser Zulassungsverfahren werden also künstliche, oft mit Nebenwirkungen behaftete Präparate gegenüber natürlichen, meist nebenwirkungsarmen Produkten deutlich bevorzugt! Hier liegt ein systemischer Fehler in unserem Gesundheitssystem (oder sollten wir besser sagen: Krankheitssystem) vor, für das sich weder Krankenkassenfunktionäre noch Gesundheitspolitiker überhaupt interessieren. Durch diese Fehlsteuerung werden leidenden Patienten nebenwirkungsarme und preisgünstige Präparate natürlicher Herkunft in unverantwortlicher Weise vorenthalten.

Fibromyalgie-Therapie - 8. Entsäuerung – sauer macht nicht immer lustig

Durch die dauernde Anspannung des Muskels kommt es zu einem schlechteren Abtransport von Stoffwechselendprodukten des Muskels, z.B. der bei einem Gärungsstoffwechsel entstehenden Milchsäure. Durch die ständige Überanspannung des Muskels wird die Durchblutung eingeschränkt und damit die Bereitstellung von Sauerstoff. Die Energiegewinnnung des Muskels erfolgt damit mehr oder weniger stark im anaeroben Bereich, also ohne Verbrennung von Sauerstoff. Dabei entsteht dann Milchsäure, die durch die eingeschränkte Durchblutung dann auch nicht mehr gut abtransportiert wird und sich anhäuft.

Eine generelle „Übersäuerung“ des gesamten Organismus kann die Situation noch weiter verschärfen. Eine „Entsäuerung“ wirkt dem entgegen. Wichtige Maßnahmen zur Entsäuerung:

  • Achten Sie auf eine eher eiweißarme Ernährung. Eine hohe Zufuhr an Fleisch, Wurst und Milchprodukten leistet der Übersäuerung Vorschub.
  • Meiden Sie weitgehend Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten und Kaffee. Auch diese machen „sauer“.
  • Bevorzugen Sie Vollkornprodukte gegenüber Weißmehlerzeugnissen.
  • Meiden Sie Zucker und daraus hergestellte Süßigkeiten.
  • Bevorzugen Sie Obst, Gemüse und Salate sowie Pellkartoffeln.
  • Trinken sie mineralreiche Mineralwässer
  • Seien Sie nicht übergenau bei der Lebensmittelauswahl – ein Stück Wurst oder ein kleines Stück Schokolade schaden nicht, wenn sie gelegentlich verzehrt werden und das Gleichgewicht insgesamt stimmt.
  • Kontrollieren Sie den Urin gelegentlich mit pH-Wert-Teststreifen (Apotheke). Zumindest einmal am Tag sollte ein Wert von 7 erreicht werden.
  • Falls Sie dies mit Ernährungsmaßnahmen nicht erzielen, können zusätzliche Basenpräparate helfen, z.B. Basica® Pulver (Achtung: nicht bei Laktoseintoleranz), Basentabs® oder Neukönigsförder Mineraltabletten®.
  • Falls dies auch nicht ausreicht, setzen wir in der Habichtswaldkinik gern Baseninfusionen mit Natriumbikarbonat ein. Verstärkt wird deren Wirkung noch durch Zusatz des Lokalanästhetikums Procain (aus der Neuraltherapie) und Magnesium.

Fibromyalgie-Therapie - 9. Vegetative Stabilisierung durch Neuraltherapie der Schilddrüse

Als letztes medikamentöses Mittel, welches aber nur einmalig oder alle paar Monate angewendet werden muss, möchte ich noch die neuraltherapeutische Behandlung der Schilddrüse erwähnen. Die Schilddrüse ist nicht nur das Organ, welches die Schilddrüsenhormone produziert. Im naturheilkundlichen Sinn weist sie auch wichtige übergeordnete Steuerfunktionen für den gesamten Stoffwechsel und das vegetative Nervensystem auf. Ungleichgewichte des Vegetativums sind mit einer kleinen Spritze Procain in die Schilddrüse oft sehr gut zu beseitigen. Dies hört sich viel gefährlicher an als es ist, sollte aber dennoch nur von einem Neuraltherapeuten durchgeführt werden, der sich mit dieser Behandlung wirklich gut auskennt. An die Schilddrüse als Mitursache der Beschwerden sollte gedacht werden, wenn Sie neben den Reizdarmsymptomen auch noch über Angst, Unruhe, Nervosität, Herzrhythmusstörungen und/oder Kloßgefühl/Enge im Hals klagen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter www.schilddruesen-krankheit.de/neuraltherapie/ .

Fibromyalgie-Therapie - 10. Psychotherapie/Psychopharmaka

Eine Fibromyalgie ist ja im weitesten Sinne eine Störung des vegetativen Nervensystems bzw. eine psychosomatische Erkrankung. Daher sollten bei der Fibromyalgie auch psychotherapeutische Maßnahmen erwogen werden. Dabei dienen psychoanalytische Verfahren mehr der Ursachenforschung und dem Bewusstmachen dessen, was zu Anspannung führt. Dies kann sehr hilfreich sein, wenn die gewonnenen Erkenntnisse dann auch in Einstellungs- und Verhaltensänderungen umgesetzt werden. Erfolgskriterium sollte – wie bei jeder anderen Therapie auch – der hoffentlich nachlassende Schmerz und die geringer werdenden Begleitbeschwerden sein. Ich habe leider oft erlebt, dass sich Patienten mit einer Fibromyalgie einer jahrelangen Psychoanalyse unterzogen haben und genau was, was „in ihrer Kindheit alles falsch gelaufen ist“ – die Beschwerden waren jedoch unverändert. Das kann es dann eigentlich nicht sein. Eine Verhaltenstherapie wäre ein ganz anderer Ansatz, der nicht nach den Ursachen sucht, sondern schrittweise Veränderungen im Verhalten anregt, was über eine Besserung der Beschwerden dann im besten Falle zu einem sich selbst verstärkenden Prozess führt.

Wem diese Wege zu lang und mühsam erscheinen oder nicht den gewünschten Erfolg zeitigten, bei dem können möglicherweise Psychopharmaka (Antidepressiva) erfolgreich ansetzen. Eingesetzt werden dabei meist Amitryptilin (z.B. Saroten®) oder moderne SSRI (selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer, z.B. Zoloft®).

Um es gleich klarzustellen. Ich bin kein ausgewiesener Freund dieser Präparate und halte diese – vor allem wegen der zahlreichen Nebenwirkungen – bestenfalls für das Mittel der zweiten oder dritten Wahl. Ich würde vor deren Einsatz erst viele andere Therapien einsetzen. Als Therapieoption würde ich mir diese Möglichkeit aber auch nicht nehmen wollen.

Viele Patienten mit Fibromyalgie haben einen starken Leidensdruck, nehmen aufgrund ihrer Beschwerden auch kaum noch am gesellschaftlichen Leben teil, lehnen aber eine Behandlung mit Psychopharmaka wegen der befürchteten Nebenwirkungen oder des damit verbundenen „Makels“, als psychisch krank zu gelten, grundsätzlich ab. Trotz all meiner Vorbehalte einer solchen Therapie gegenüber, sehe ich dies etwas anders. Einem mehrwöchigen Behandlungsversuch mit Psychopharmaka stehe ich prinzipiell positiv gegenüber. Wenn alle diagnostischen Maßnahmen keine andere Ursache erkennen ließen oder alle bisherigen therapeutischen Bemühungen fruchtlos blieben, darf (muss?) auch eine solche medikamentöse Behandlung erwogen werden.

Die Konsequenz eines erfolgreichen medikamentösen Therapie wäre dann, mit dieser Therapie fortzufahren – wenn die Nebenwirkungen (die eintreten können, aber nicht müssen) im Vergleich zum Nutzen vertretbar erscheinen. Bei einem guten Ansprechen und weitgehender Beschwerdefreiheit kann auch nach einigen Monaten oder Jahren mit ärztlicher Absprache ein Auslassversuch mit einem langsamen Ausschleichen der Medikamente unternommen werden.

Fibromyalgie-Therapie - Fazit

Wie vor jeder anderen Maßnahme – sei es die Neuraltherapie der Schilddrüse oder ein Therapieversuch mit Psychopharmaka – gilt auch hier: keine Angst vor der Therapie! „Wer heilt, hat Recht.“ heißt es so schön. Seien Sie offen. Verschließen Sie sich nicht von vornherein vor Therapiemöglichkeiten, weil Sie Nebenwirkungen befürchten oder sie nicht in Ihr Weltbild passen. Wenn die dreizehnte Therapie nichts gebracht hat, dann kann der vierzehnte Therapieversuch derjenige sein, der den Durchbruch bringt. Oftmals bringt eine sinnvolle Kombination mehrerer der oben aufgeführten Tipps synergistische Effekte mit einem durchschlagenden Behandlungserfolg, der einer einzelnen Methode versagt geblieben ist. Probieren Sie es aus. Nur wer aufgibt, hat schon verloren!

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de 

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